Wie man an IT-Fachkräfte kommt

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Die Studie "Fachkräftemangel 2014" sagt IT-Fachkräfte stehen an vierter Stelle der "Top 10 der am schwierigsten zu besetzenden Position". Warum ist das so?

Der Autor dieses Artikels hat 15 Jahre Erfahrung in der IT-Branche. Ich war in dieser Zeit in verschiedensten Rollen unterwegs: der des Angestellten, des Freiberuflers, des Auftraggebers und des Vorgesetzten.

Und dabei habe ich einige Beobachtungen gemacht.

Geht es nur um’s Geld?

Beginnen wir doch zuerst mit der guten Nachricht: Geld ist nicht alles.

Die IT-Fachkräfte im Alter von 20-40 Jahren wissen natürlich trotzdem in den meisten Fällen vom eigenen Marktwert.

Was in vielen Unternehmen zu der Taktik geführt hat, die jungen Leute direkt von der Uni abzuwerben noch bevor sie eine Idee von einem angemessenem Gehalt bekommen. Wenn man die Zeit und die Ressourcen zur Verfügung hat diese Leute selbst in der Praxis auszubilden, kann das eine gute Quelle für gute Mitarbeiter darstellen.

Standort ist wichtig

Ein attraktiver Standort ist wichtig, wenn Sie ihre Mitarbeiter langfristig an sich binden wollen. Das gelingt mit den technischen Fachkräften der neuen Generation ohnehin nur schwer, da Sie häufig nach der Suche nach neuen Herausforderungen und abwechslungsreichen Aufgaben sind.

Wenn Sie ein großes Team vor Ort an Ihrem Standort brauchen, dann sollte entweder der Standort, das Gehalt oder die Aufgabenstellung sehr attraktiv sein. Sonst könnte es schwierig werden mit der Konkurrenz mit zu halten.

Wenn Sie im Zuge von Digitalisierungsmaßnahmen gerade ein neues IT-Team aufbauen, denken Sie darüber nach ein Büro in einer der 10 schönsten Städte Deutschlands zu eröffnen. So können sie die Attraktivität für die Kandidaten leicht erhöhen.

Spannendes Thema anbieten

Für ein spannendes Projekt verzichtet man auch gerne auf etwas Geld. Aber für jede IT-Fachkraft sind andere Projekte spannend. Präsentieren Sie die Projekte für Ihre potentiellen Mitarbeiter so ansprechend und detailliert wie möglich um die richtigen Leute zu erreichen.

Sympathisches Team anbieten

Das Team spielt auch für Mitarbeiter in der IT Abteilung eine große Rolle. Bringen Sie schon früh Mitarbeiter aus der relevanten Abteilung in das Gespräch ein und testen Sie so die "Chemie".

Weiterbildung anbieten

Arbeitgeber können ebenfalls punkten wenn Sie Weiterbildungsprogramme für ihre Angestellten anbieten. Technisches Personal ist wissenshungrig und möchte nicht auf der Stelle stehen bleiben.

Flexible Arbeitszeiten & Urlaubstage

Beides sind keine besonders guten Argumente in meinen Augen. Die Urlaubstage können sowieso nicht weniger als 20 werden und viel mehr als 30 werden die wenigsten Arbeitgeber anbieten wollen. Auch die Arbeitszeiten fallen nicht schwer in’s Gewicht. Üblicherweise möchte man die Arbeit ohnehin dann erledigen, wenn alle anderen auch arbeiten.

Eine Reduktion der Arbeitszeit hingegen kann attraktiv sein und manch eine Stelle braucht vielleicht tatsächlich keine 100% Auslastung.

Entscheidungsfreiheiten anbieten

Besonders spannend sind natürlich Positionen in denen noch nicht alle Entscheidungen getroffen sind und Platz zur Entfaltung vorhanden ist. Das kann je nach Unternehmenskultur leicht oder schwer möglich sein.

Aufstiegsmöglichkeiten

Für eine langfristige Bindung an das Unternehmen braucht es Aufstiegsmöglichkeiten. Andernfalls werden sich die besten Kandidaten nach geeigneteren Positionen umsehen.

Ganz Wichtig: Technische Mitarbeiter einbeziehen

Ihr Unternehmen sollte mit dem Kandidaten immer auf Augenhöhe kommunizieren und vor allem die gleiche Sprache sprechen. Im besten Fall hat jemand in Ihrer Personalabteilung eine große Menge an relevanten Tech-Know-How oder Sie stellen Ihren Personalern einen Ansprechpartner aus der IT-Abteilung zur Seite. Das hilft schon beim Prüfen der Lebensläufe.

Ansonsten kommt es zu Fällen, bei denen die falschen Kandidaten aussortiert oder eingeladen werden.

Zeitnahe persönliche Reaktionen

Versuchen Sie die Kandidaten zeitnah darüber zu informieren wie der Prozess weitergeht. Wenn man sich von seinem möglichen zukünftigen Arbeitgeber ignoriert oder wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt fühlt, schaut man sich lieber gleich woanders um.

Geheimtipp: Remote Arbeit

Wenn Ihr Unternehmen nicht in einer von Deutschlands 10 schönsten Städten zu Hause ist und/oder Sie kein königliches Gehalt für einen einfachen Softwareentwickler zahlen möchten, gibt es noch eine Variante.

Mit diesem einfachen Trick bekommen Sie garantiert unzählige Bewerbungen: Bieten Sie Ihren Mitarbeitern an die Arbeit von zu Hause aus zu erledigen.

Es ist für Menschen wie mich, die ihre Steuererklärung auf dem Balkon machen, ihre Flugtickets während der Taxifahrt kaufen und ihre Pizzas mit dem Smartphone bestellen nicht verständlich, wieso man für elektronische Arbeit erst in ein Gebäude reisen sollte. Alleine die Fahrtzeiten sind Grund genug über Alternativen nachzudenken.

Es gibt bereits Schulungsangebote die komplett über Telepräsenz abgehalten werden, die Unternehmenskommunikation sollte mit dieser kleinen logistischen Hürde klarkommen. Sie sparen ausserdem Raum in Ihren Büros vor Ort.

In Zukunft werden sich immer mehr Unternehmen dazu entschliessen diesen Weg zu gehen um den wachsenden Ansprüchen der hochbegehrten Kandidaten gerecht werden zu können. Je früher Sie dabei sind, desto besser die Fachkräfte die Sie bekommen werden. Ausserdem demonstrieren Sie damit, dass Sie Ihren Mitarbeitern vertrauen, eine wichtige Komponente für loyale Mitarbeiter.

Im Gespräch mit der Personalabteilung eines kleineren Unternehmens in Karlsruhe fand ich heraus, dass man dort die Anzahl der Bewerbungen durch den kleinen Zusatz "Remoteanteil - möglich" vervielfacht hat.

So bitte nicht

Und zuletzt noch einige Dinge die Sie besser vermeiden sollten.

Allzu hippe Ausschreibungen

Ich möchte In einem Unternehmen arbeiten und dort nicht permanent Parties nach den neuesten Trends feiern müssen. Kann auch auf manch älteren Jahrgang abschreckend wirken, dabei können gerade die sehr interessant sein.

Code-Ausschreibungen

Beim ersten mal war das vielleicht noch witzig, aber aktuell wirkt es unkreativ und verführt die Techies eher zu besserwisserischen Kommentaren á la "Da fehlen noch zwei Semikolons".

Stereotypen

Vor kurzem habe ich eine Ausschreibung eines Unternehmens für Software-Entwickler im Internet gesehen. Diese Ausschreibung war mit dem stereotypischen Abbild eines Informatikers versehen: Ein dicker, weißer, tätowierter Mann in Unterwäsche.

Das ist nicht das Selbstbild eines Informatikers sondern die stereotype Sicht gegen die wir kollektiv seit Jahren ankämpfen. Seien Sie nicht dieses Unternehmen.

Job Portale

Ich habe schon einige größere Unternehmen gesehen, die ihre Bewerbungen ausschliesslich über das hauseigene Bewerberportal entgegennehmen wollten. Das ist so ziemlich das schrecklichste was ich bis jetzt gesehen habe.

Die meisten ernsthaften Leute haben Ihrer kompletten Bewerbungsunterlagen schon mindestens zweimal aufbereitet: Einmal als PDF Dokumente für den E-Mail Versand und einmal bei Xing/LinkedIn. Nun wird man gezwungen seinen kompletten Werdegang erneut in Formulare einzutippen.

Häufig sind diese Portale auch noch miserabel umgesetzt. So stiess ich auf Portale die meine kompletten Eingaben verwarfen wenn mein Passwort nicht den Anforderungen entsprach oder auf welche die mir den Upload von 4 PDF Dateien erlaubten und sich nachher beschwerten, dass ein Lebenslauf fehlen würde. Sprich als potentieller Mitarbeiter in der IT Abteilung hätte ich an dieser Stelle schon gedacht, dass dieses Unternehmen von modernen Web-Anwendungen keine Ahnung hat und mir schnell einen anderen Arbeitgeber gesucht.

Flache Hierarchien

Haben ich und viele andere aus der Branche als einen Euphemismus für "keine Aufstiegsmöglichkeiten" kennengelernt. Ist daher meist keine gute Werbung, siehe oben.

Fazit

Wenn Sie diese Tipps beherzigen werden Sie mit Sicherheit Erfolg bei der Jagd nach dem geeigneten Kandidaten haben. Und ansonsten gibt es ja auch noch externe Dienstleister ;)


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