Blockchain Teil 2 - Ethereum

Was ist Ethereum?

Ethereum entstand 2013 durch eine Idee von Vitalik Buterin. Er hatte beobachtet, dass neben Bitcoin noch eine Vielzahl anderer Blockchain Projekte entstanden sind. Viele mit völlig anderen Zielen und Anwendungsfällen als es bei Bitcoin der Fall war.

Namecoin z.B. ist ein Projekt, um ein dezentrales System zur Namensauflösung vergleichbar mit DNS umzusetzen.

Bei PrimeCoin soll die Rechenleistung beim Mining für die Suche nach Primzahlen eingesetzt werden.

Und die Idee hinter dem DevCoin Projekt, ist die Entlohnung von Softwareentwicklern in Open Source Projekten.

Vitalik erkannte, dass es nicht zielführend war für jeden Anwendungsfall ein eigenes Blockchain-Netzwerk zu etablieren. So entstand die Idee zu Ethereum, einem dezentralen Computer.

Jeder nur denkbare Anwendungsfall für die Blockchain Technologie kann bei Ethereum in Software gegossen und auf der bestehenden Infrastruktur des Netzwerks ausgeführt werden.

Diese Programme, die auf der Blockchain ausgeführt werden, heißen bei Ethereum "Smart Contracts".

Was macht Ethereum so besonders?

Im Vergleich zu Bitcoin und anderen Altcoins handelt es sich bei Ethereum um eine revolutionäre Weiterentwicklung der Blockchain Technology.

Applikationen auf Basis der Ethereum Blockchain zu entwickeln, ist um ein Vielfaches einfacher als eine vollständige Alternative zu entwickeln.

Man könnte Ethereum also auch als Blockchain-as-a-Service bezeichnen.

Grundlagen von Ethereum

Im Gegensatz zu Bitcoin und ähnlichen Blockchain-Lösungen, gibt es bei Ethereum zwei Typen von Konten: "Normale Useraccounts" und "Contract Accounts".

Beide dieser Kontentypen können Transaktionen senden und empfangen. Die Contract Accounts jedoch können nur als Reaktion auf eine empfangene Transaktion Aktionen durchführen und nicht alleine. Jede Aktion auf der Blockchain wird also von den externen Benutzerkonten angestoßen.

Was sind "Smart Contracts"?

Smart Contracts werden Computerprogramme genannt, die auf der Ethereum Blockchain laufen.

Da die Blockchain-Technologie eine Basis für dezentralisierten Konsens bietet, lassen sich auf dieser Grundlage Verträge formulieren, deren Einhaltung von jedermann kontrolliert werden kann.

Diese Verträge werden von Computern verarbeitet und überprüft, weswegen schon der Begriff Crypto Law zu lesen ist, wenn es um die Beschreibung der Smart Contracts geht.

Wie kommen die Programme in die Ethereum Blockchain?

Der Programm Code wird in einer Programmiersprache wie Solidity verfasst.

Um den Code dann für den Computer lesbar zu machen, muß dieser noch kompiliert werden. Das erledigt in diesem Fall ein Werkzeug namens "solc".

Jetzt kann man den Code in das Ethereum Netzwerk hochladen, "Deployment" genannt.

Dazu braucht es einen Ethereum Account als Besitzer und genug Ether, um die Gaskosten für das Deployment zu bezahlen.

Lädt man den Programmcode nun hoch und wartet ab bis die entsprechende Transaktion von den Minern akzeptiert wurde, so bekommt man vom System noch die endgültige Adresse für den Contract mitgeteilt.

Nach dem Deployment ist der Code nun an dieser Adresse für jeden verfügbar.

Funktionen des Smart Contracts können nun entweder lokal erfolgen, wobei keine Gaskosten anfallen, oder aber mittels einer Transaktion auf der Blockchain ausgeführt werden, dafür fallen die üblichen Transaktionskosten an.

Was sind dApps?

dApps oder "Distributed Apps" (also verteilte Anwendungen) ist ein Oberbegriff für Anwendungen auf Basis der Blockchain-Technologie.

Seiten wie EtherCasts listen schon heute unzählige solcher Anwendungen.

Hier ein Auszug der interessantesten Vertreter:

  • Lemon Mail - Ein sichere, dezentrale Alternative zur E-Mail. Eingebauter Spamschutz.

  • File Coin - Ein dezentrales Speichernetzwerk. Geld verdienen mit leerem Festplattenplatz.

  • Akasha Project - Dezentrales Social Network

  • The Block - Dezentrale Handelsplattform für E-Commerce

  • Livepeer - Dezentrale Video Streaming-Plattform

  • Aragon - Plattform für dezentrale Unternehmen

Was ist ein ICO?

Ein zentrales Feature von Ethereum ist die Möglichkeit relativ einfach eigene Tokens zu erzeugen. Damit sind virtuelle Währungen ähnlich wie Bitcoin, Ether, etc. gemeint, in diesem Fall aber auf der Ethereum Blockchain aufsetzend. Diese Tokens folgen einem ERC20 genannten Standard.

Dieses Prinzip ermöglicht es jedem eigene virtuelle Währungen zu erzeugen und auszugeben.

So entstanden auch die ICOs oder "Initial Coin Offerings". Mit Ethereum erzeugte ERC20 Tokens können als Gegenwert für Anteile an einer Unternehmung verkauft werden.

Dieses Verfahren könnte man als Mischung aus traditionellem Börsengang und dem typischen Crowdfunding verstehen.

Die bei einem ICO angebotenen Tokens stehen üblicherweise für eine definierte Zeitspanne und zu einem festen Preis zum Verkauf. Je nach Anbieter erwirbt man dadurch zum Beispiel das Recht an Abstimmungen teilzunehmen, Anteile an einer Unternehmung oder einen anderen Gegenwert, der von den Erzeugern des jeweiligen Tokens festgelegt wurde.

In der Vergangenheit haben etliche Gruppen, teilweise wohl mit lauteren Absichten und andere offensichtlich mit dem Gegenteil, solche ICOs abgehalten und dabei Millionenbeträge umgesetzt.

Was wird durch Ethereum möglich?

Ethereum ermöglicht es jedem Software Entwickler verteilte Applikationen auf Grundlage der Blockchain-Technologie zu entwerfen.

Endanwender bekommen eine vollständig dezentralisierte Rechenplattform für die Benutzung von "Smart Contracts". Dadurch ist jeder in der Lage, überprüfbare digitale Verträge mit potentiell unbekannten Parteien einzugehen, ohne auf einen Mittelsmann vertrauen zu müssen.

Die Technologie ermöglicht also nicht nur die Dezentralisierung und damit Demokratisierung von Geld, wie es bei Bitcoin der Fall ist, sondern darüber hinaus auch die Demokratisierung der Bürokratie.

Anwälten und Unternehmen, deren Geschäftsmodell das eines Mittelsmannes ist, stehen interessante Zeiten bevor.


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